Über Black Forest Marbling
Die marmorierten Papeteriewaren und Modeaccessoires werden von Nina Möller im nördlichen Baden-Württemberg hergestellt. Ihr familiärer Hintergrund liegt aber im Schwäbischen, daher der Name dieser Seite. Als Kunsthistorikerin, worüber sie auch zum Marmorieren kam, ist es ihr sehr wichtig, diese gestalterische Technik zu erhalten und sie für den modernen Gebrauch zu transformieren.
Papiermarmorieren ist eine kunstvolle Technik zur Gestaltung von Papieroberflächen, deren Ursprünge mehrere Jahrhunderte zurückreichen. Beim Marmorieren werden Farbpigmente auf die Oberfläche von verdicktem Wasser (Marmoriergrund, auch Schlichte genannt) aufgetragen und dann davon durch kurzes Auflegen von Papierbögen Drucke abgezogen. Das Ergebnis erinnert, je nach Art des Farbauftrags, oft an die natürlichen Gesteinsmaserungen von Marmor. Daher stammt auch der Name.
Dabei können die Farben auf dem Marmoriergrund mit Stäbchen und Kämmen, durch ins Wogen bringen des Grunds oder durch das Daraufpusten manipuliert werden, sodass ganz verschiedene Muster entstehen. Von Zickzackmustern über gefächerte Farben wie Pfauenfedern hin zu 60er-Jahre-Ringen oder Herzen sind beim Marmorieren eigentlich keine Grenzen gesetzt und jedes Papier ist ein Unikat, ähnlich aber doch nie mehr genau gleich reproduzierbar. Ebenso ist es beim Druck auf Stoffe, wobei die Stoffe zum Aufnehmen und dauerhaften Binden der Pigmente aus Naturfasern bestehen und mit Beize vorbereitet werden müssen.


Farbe auf dem Marmoriergrund

Abnehmen eines Drucks

…und schließlich die weitere Verarbeitung!
Eine kurze Geschichte des Marmorierens
Die ältesten bekannten Formen des Papiermarmorierens entstanden vermutlich um das zwölfte Jahrhundert in Asien. In Japan wird Marmorieren als ‚Suminagashi‘ (‚fließende Tinte‘) seither mit Kalligrafietinten praktiziert, wobei zarte Muster entstehen die oft an die Jahresringe von Bäumen erinnern. Aus Ostasien verbreitete sich die Technik nach Persien und später in das Osmanische Reich, wo sie als ‚Ebru‘ große Bedeutung erlangte. Die kunstvollen Marmorpapiere wurden zur Verzierung von Büchern, Urkunden und kalligrafischen Werken verwendet.
Um das 17. Jahrhundert gelangte das Papiermarmorieren dann nach Europa. Auch hier schätzten besonders Buchbinder die dekorativen Papiere als zierende Vorsatzblätter und Bucheinbände. Auch für die Verzierung des Buchschnitts (dem Seitenblock im geschlossenen Zustand oben, unten und rechts) wurde Marmorieren eingesetzt. Im Marmorieren gibt es einige traditionelle Muster, die in Serie hergestellt wurden; beispielsweise die Spanish Wave oder das Bouquet Style. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Muster und regionale Stilrichtungen, die das Marmorieren weiterentwickelten. Unter anderem in Aschaffenburg bestand eine florierende Buntpapierindustrie, die verschiedene Gewerke mit vielfarbigen Papieren versorgte.
Mit Fortschritten in der Drucktechnik, mit Holzmodeln und Walzen, rückte das Marmorieren dann mit der Zeit im 19. Jahrhundert erstmal zunehmend in den Hintergrund. Papiere im Modeldruck waren deutlich schneller und kosteneffektiver in Serie herzustellen. Durch verschiedene Holzdruckstöcke konnten Marmorpapiereffekte nachgeahmt werden, jedoch in geringerer Qualität und ohne die Besonderheit des Unikats durch das Marmorieren. Später kamen weitere Fortschritte im Druck bis zum heutigen Digitaldruck hinzu. Die Marmorierkunst ist daher heute eine selten ausgeübte Technik, die es zu erhalten gilt.